Juli 2019: Der Hässliche von Marius von Mayenburg

Premiere: Do 11.07.2019 Reithalle Rastatt

Weitere Aufführungen: 

Fr 12.07., Sa 13.07., So 14.07.2019, 
Do 18.07., Fr 19.07., Sa 20.07., So 21.07.2019

um 20:00 Uhr

Handlung:

Lette, erfolgreicher Elektrotechniker, muss eines Tages schmerzlich feststellen, dass er seine neueste Erfindung nicht selber vermarkten darf, weil sein “Gesicht nicht geht“.
Als ihm dann auch seine Frau gesteht, dass es „eine Phase der Irritation“ gab wegen seines Aussehens, beschließt er, sich einer Schönheitsoperation zu unterziehen. "Von Ihrem Gesicht, wie es jetzt ist, bleibt nichts mehr übrig", wird er gewarnt, aber der Leidensdruck ist zu groß.

Die Operation gelingt Chirurg Scheffler so gut, dass Lette nicht nur bei den Verkaufsveranstaltungen erfolgreich ist sondern auch bei den Frauen, die bald Schlange stehen. Er versichert seiner Frau jedoch, dass sie „immer Nummer 1“ sein werde.
Sein Chirurg vermarktet Lettes Gesicht Idealgesicht, sein Chef nutzt es als Lockstoff für solvente Kunden wie die Direktorin der Nuklearktik. Selbst sein Kollege Karlmann möchte ihm gleichen, was zu "Komplikationen" führen wird.

Lettes Marktwert sinkt in dem Maße, wie immer mehr Duplikate seiner selbst auftauchen. Das erotische Überangebot „irritiert“ auch seine Frau. Lette als unverwechselbares Individuum befindet sich in Auflösung.

Kann er den Prozess stoppen?

Es spielen: Andreas Lippig (Lette), Albrecht Dickmann (Scheffler), Johnny Wagner (Karlmann), Jutta Kuhn-Bittner (Fanny, Lettes Frau), Kerstin Huber / Sabrina Dworak (Fanny, Direktorin der Nuklearktik)

Regie: Maike Raguenet


Mai 2019: VERSTÖRT von Harald Hemprich

2. Mai (Do)    19.30 Uhr (Premiere)
3. Mai (Fr)     19.30 Uhr
4. Mai (Sa)     19.30 Uhr
5. Mai (So)     11 und 18 Uhr

VERSTÖRT
Theaterstück von Harald Hemprich

SUSANNE, eine ehemalige IS-Kämpferin, kommt nach Deutschland zurück. Weder Anzeige noch Fahndung liegen vor, bis auf Weiteres ist sie ein freier Mensch.
In einem Rastatter Kommunalbüro stellt sie sich den Vorwürfen und Fragen einer kleinen Personengruppe: Ihr Freund Georg ist anwesend, ihre jüngere Schwester Ella; Herr Schmitt, ihr Großvater, der Journalist Helwig und Hanna, die sich als Dekonstruktivistin bezeichnet.  
Die Auseinandersetzung mit Susanne (Natalie Willum) verläuft widersprüchlich, erregt, emotional. Sie versucht anfangs ihr Handeln zu erklären, es bleibt aber bei Absichtserklärungen. Die spärlichen Informationen zu ihrer  Biographie - Abwesenheit des Vaters, Tod der Mutter - liefern keine Hintergründe, die in direkter Weise wirksam gewesen sein könnten. Georg (Tristan Conrad) verweist auf ihr hohes Aggressionspotential.
Immerhin erfährt man, was sie in den Kampfgebieten eigentlich gemacht hat. Susanne kann glaubwürdig vermitteln, dass sie zur „kämpfenden Truppe“ gehörte, d.h. sich als Frau nicht in typischer Weise unterordnen wollte. Mit ihren Waffen kennt sie sich gut aus. Sie habe in einer Frauenbrigade gekämpft, der Krieg habe ihr gezeigt, was ein Mensch wert sei.  
Das halböffentliche Kommunalbüro, eine Einrichtung außerhalb juristischer und polizeilicher Verfügungsgewalt, kommt an eine Grenze. Susanne kann Motive und Absichten ihres Handelns zwar zum Ausdruck bringen, sie ist sich aber nicht sicher, welche Informationen sie wirklich herausgeben möchte. Immerhin zeichnet eine Kamera die Auseinandersetzungen im  Kommunalbüro auf.  
Schmitt (Hinrich Mummenthey) und Helwig (Klaus Winterhoff), als Vertreter der Generation, deren Väter noch im Zweiten Weltkrieg waren, schaffen eine Verbindung zwischen gestern und heute. In Hinsicht auf Verdrängung und Selbstentlastung gebe es Ähnlichkeiten. Susannes Fall erhält damit auch geschichtliche Bedeutung über aktuelles Kriegsgeschehen hinaus.
Ella (Mona Kurz) führt die Debatte immer wieder in die Gegenwart.  Sie soll in Kürze eine Abiturrede halten. Die Situation ihre Schwester verwirrt sie derart, dass sie nun nicht mehr weiß, was sie sagen soll. Fieberhaft arbeitet sie an einem neuen Konzept und versucht für sich und alle anderen eine Lösung zu finden, die der Situation gerecht wird.
Hanna (Nelly Schleise), Sprachwissenschaftlerin und Dekonstruktivistin, verfolgt die Auseinandersetzungen sehr genau. Ihre skeptischen Anmerkungen prüfen und kritisieren Susannes Darstellung wie Ausdrucksweise. Susanne stellt sich diesem kontroversen Klärungsprozess – auch durch Konfrontation mit sich selbst.
In der Zeit-Bühne inszeniert das Ensemble 99 Theaterstücke, die sich unmittelbar auf gegenwärtige politische wie kulturelle Situationen beziehen. Ein erstes Stück im Januar 2018 beschäftigte sich mit dem Nationalsozialistischen Untergrund (NSU). „Verstört“ versteht sich wieder als theatraler Aufriss zu einem aktuellen Thema. Hemprich hat das Stück im Februar und März geschrieben. Seine Inszenierungsarbeit erfolgt im unmittelbaren Austausch mit den beteiligten Schauspielern, die fortlaufend problematisieren und ergänzen. Michael Krauth hat diese Arbeit beraten. Oliver Hurst sorgte  für Grafik und Fotografie.

Reithalle Rastatt - Bürgersaal

Eintritt Frei! Um Spenden wird gebeten!



Fotos: Oliver Hurst (c) 2019
 

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